Thema des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2023: „Stadt statt A 104“

Im kommenden AIV-Schinkel-Wettbewerb wird der AIV in den verschiedenen Fachsparten die Frage stellen, welche städtebaulichen, verkehrlichen, architektonischen, künstlerischen und landschaftsgestaltenden Chancen sich aus dem Rückbau der A 104 ergeben. Wie wird der Umbau der autogerechten Stadt zur lebenswerten Stadt erfolgreich? Quartier 104 statt Bundesautobahn 104? Welche Verkehrsdichte verträgt die klimagerechte Stadt der Zukunft, welche Einwohnerdichte braucht die Urbanität der Metropole, welche neuen Nutzungen benötigt die resiliente Stadt?“

Im kommenden AIV-Schinkel-Wettbewerb wird der AIV in den verschiedenen Fachsparten die Frage stellen, welche städtebaulichen, verkehrlichen, architektonischen, künstlerischen und landschaftsgestaltenden Chancen sich aus dem Rückbau der A 104 ergeben.

Gesche Gerber und Ernst Wolf Abée, Vorsitzende des AIV-Schinkel-Ausschusses: „Die Fragen dabei lauten: Wie wird der Umbau der autogerechten Stadt zur lebenswerten Stadt erfolgreich? Quartier 104 statt Bundesautobahn 104? Welche Verkehrsdichte verträgt die klimagerechte Stadt der Zukunft, welche Einwohnerdichte braucht die Urbanität der Metropole, welche neuen Nutzungen benötigt die resiliente Stadt?“

Zum Hintergrund: Die Bundesautobahn 100 (A 100) wurde nach der Teilung Berlins als Basis eines Autobahnnetzes auf West-Berliner Territorium geplant. In weiten Strecken folgt die A 100 dem westlichen Bogen des bereits im 19. Jahrhundert entstandenen Berliner S-Bahn-Rings, dem so genannten „Hundekopf“. Im Fall einer Wiedervereinigung sollte die offene Struktur im Norden und Osten der Stadt zu einer Ringstrecke vervollständigt werden. Nach Baubeginn in 1958 wurde im Westen die Avus angebunden, die weltweit erste „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“. Im Süden wurde die tangential um die Berliner Innenstadt geführte Stadtautobahn durch zwei Stichstrecken Richtung Steglitz-Zehlendorf ergänzt. Die Teilstrecke A 104 kreuzt den Stadtring am Knoten Wilmersdorf und sollte eine kreuzungsfreie Verkehrsverbindung zwischen dem Hohenzollerndamm und der Schlossstraße in Steglitz herstellen, sowie den Anschluss an eine weitere Stadtautobahn ermöglichen (A 103).

Im Jahr 1974 wurde der erste Abschnitt zwischen Konstanzer und Mecklenburgischer Straße eröffnet, der letzte Abschnitt wurde 1980 fertiggestellt. Die kreuzungsfreie, vierspurige Trasse endet jedoch bereits kurz hinter dem Breitenbachplatz, danach wird der Verkehr durch die dicht bebaute Schildhornstraße geführt. Am südlichen Ende der geplanten Strecke wurde eine vierspurige Brücke über die Schlossstraße realisiert, im Schnittpunkt der Trassen, gekrönt von einem fast 50 Meter hohen „Pop-Spektakel“, dem „Bierpinsel“, wie der Volksmund die im Jahr 1976 mit einem Turmrestaurant eröffnete Landmarke benannte. Nachdem die Schildhornstraße zur Tempo 30-Zone erklärt worden war, erfolgte 2006 die weitgehende Entwidmung der A 104 als Bundesautobahn. Seitdem ist das Land Berlin verantwortlich für die Unterhaltung der Straßen- und Brückenbauwerke.

Der Stellenwert der Automobilität hat sich inzwischen geändert, was in der Koalitionsvereinbarung der Regierungsparteien für die aktuelle Legislaturperiode seinen Niederschlag gefunden hat: „Die Koalition wird den Rück- und Umbau überdimensionierter Relikte der autozentrierten Stadt weiter vorantreiben, indem für Projekte wie den Rückbau der Breitenbachplatzbrücke / Tunnel Schlangenbader Straße mit konkreten Planungen begonnen wird…Die Koalition wird die zivilgesellschaftliche Expertise in die Gestaltung der Verkehrswende mit etablierten wie neuen Ansätzen und Akteuren einbeziehen…“

Im letzten Jahr hat der AIV bereits den Abriss der gesamten ehemaligen A 104 gefordert und neue Entwürfe vom AIV-Vorstandsmitglied und Architekten Robert Patzschke, vorgestellt, der ausführt: „Über 30 Jahre nach dem Fall der Mauer bietet die gesamte Trasse nicht ausgeschöpfte Baupotenziale für neue Formen innerstädtischer Mischung aus Wohnen, Arbeiten und neuer Mobilität. Zudem besteht die bestandspolitische Chance, vorhandene Potenziale wie die Russisch-Orthodoxe Kirche, die ´Schlange´ und den ´Bierpinsel´ besser zur Wirkung zu bringen.“

Der Ideen- und Förderwettbewerb richtet sich an junge Leute bis 35 Jahre aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung und Freie Kunst. Er zählt zu den bekanntesten und ältesten deutschen Nachwuchspreisen. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von bis zu 30.000 Euro vergeben. Die Ausschreibungsunterlagen stehen allen Interessierten ab September online auf www.aiv-berlin-brandenburg.de zur Verfügung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls ab September über den Kooperationspartner „Wettbewerbe aktuell“.

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Termine zum AIV-Schinkel-Wettbewerb:
Auslobung: September 2022
Anmeldeschluss: Januar 2023
Abgabe: Februar 2023

„Bierpinsel“ im Schnittpunkt der Auto-Trassen. Bild: Ernst-Wolf Abée