Die kleine Hafenstadt Aken an der Elbe, die wir von Roslau aus erreichen und in der Emilie Winkelmann am 8. Mai 1875 geboren wird, gehört zum Kreis Calbe, Regierungsbezirk Magdeburg der preußischen Provinz Sachsen. Die Stadt liegt hart an der Grenze zum Herzogtum Anhalt, Dessau näher als der tatsächlichen, regionalen Verwaltung. Vor der napoleonischen Besatzung und Gründung des Königreiches Westfalen, war Aken die südlichste Stadt des Holzkreises, der 1645 noch nach Anhalt-Zerbst eingegliedert war. Politisch war es also schon recht stürmisch.
Die Winkelmanns waren Zimmerleute. Der Großvater führte den Betrieb, in dem die Enkel von Kindesbeinen an mittaten, das Handwerk lernten und schließlich mitarbeiteten. Die Eltern waren Lehrer. Der Bruder erbte die Zimmerei. Emilie zimmerte in der Werkstatt und auf dem Bau, Holzbalken abbindend und zuschneidend, Holzverbindungen zu Fachwerken und Dachkonstruktionen sägend und diese dann vor Ort aufrichten. Der Umgang mit allen am Bau beteiligten Handwerkern aller Gewerke prägt Emilie Winkelmann für ihr ganzes Leben. Emilie steht ihren Mann.
Aber schon der Großvater erkannte, Emilie zeichnet präzise und akkurat. Er überträgt ihr die Anfertigung der erforderlichen technischen Werkpläne nach Entwürfen der Auftraggeber. Wo Werkpläne entstehen, regt sich der Wunsch, selbst zu entwerfen. Schon früh musste Emilie Winkelmann erleben, dass dieser Wunsch Kampf bedeutete: Kampf um den Studienplatz, Kampf um das Staatsexamen (den sie verlor), Durchsetzung in der Männerdomäne Baukunst.
Die Tagesexkursion endet am Bahnhof Dessau, wo wir mit der RE 7 um 16:10 (oder 17:08) Uhr ohne Umsteigen nach Berlin zurückkehren.
