„Das Einfache ist nicht immer das Harmonische; aber das Harmonische ist immer einfach“
Heinrich Tessenow: Handwerk und Kleinstadt. Bruno Cassirer, Berlin 1919, Seite 66
Mit der Harmonie war es nicht weit her, als man Heinrich Tessenow 1928 die künstlerische Oberleitung über die Bauten der GAGfAH am Fischtal übertrug, die dort im Rahmen der von Walter Gropius gegenüber Adolf Sommerfeld angeregten Ausstellung „Bauen und Wohnen“ entstehen sollten. Schon 1926 war Gropius entsetzt über die joviale Bemerkung Sommerfelds, er habe da Martin Wagner kennengelernt, und dieser habe ihm versprochen, sein ganzes Baugelände vom Fischtal bis zur Wasserkante von Krumme Lanke und Riemeisterfenn durch die GEHAG bebauen zu lassen.
Gropius überzeugte Sommerfeld, den direkt am Fischtal anliegenden Streifen zurückzuhalten. Er, Gropius, wolle mit László Moholy-Nagy, Paul Mebes und Paul Emmerich, Alexander Klein, Hans Poelzig, Paul Schmitthenner und anderen mit der konservativen GAGfAH eine Mustersiedlung errichten, weiße Häuser mit deutschem Steildach. Dagegen stand die GEHAG mit Otto Rudolf Salvisberg, Hugo Häring und Bruno Taut. Der Zehlendorfer Dächerkrieg brach an allen Fronten aus. Man errichtete einen Zaun, und Gropius sorgte dafür, dass die Wege aus der GEHAG-Siedlung keine Fortsetzung ins Fischtal fanden und bis heute finden. Tessenow bemühte sich nach Kräften um Frieden, anerkennend die Leistungen der jeweils Andersdenkenden.
Tessenow hatte es schwer und baute sich dann doch auf der anderen Seite des Fischtals ein eigenes Refugium, bescheiden, material- und ressourcenschonend, durch Kompaktheit bauphysikalisch optimiert und darin gerade in der heutigen Diskussion um die Zukunft des Wohnungsbaus und den Schutz von Klima und Umwelt wieder vorbildlich.
GAGfAH und GEHAG feiern vom 27. bis 30.08.2026 den Baubeginn der Siedlungstätigkeit in Onkel Toms Hütte vor 100 Jahren hoffentlich schon im Welterbe. Dauer der Fachexkursion: 4 Stunden entsprechend 4 Unterrichtseinheiten á 45 min. §6 Abs 2 FortPrakV AK Bln. Für die Teilnahme gibt es beim AIV-BB 4 Fortbildungspunkte der Architektenkammer Berlin.

