„Die Wohnung spiegelt den Menschen wider, und genauso ist jede Kultur zuerst und zuletzt immer so, wie sie wohnt“
Heinrich Tessenow: Die kleine und grosse Stadt. Verlag von Georg D.W. Callwey, München 1961, Seite 44
Zwischen der Altstadt Magdeburgs und den Wohngebieten der Reformarchitektur und des Neuen Bauens lagen seit 1855 die Grusonwerke, einem der bedeutendsten Unternehmen des Maschinenbaus und der Rüstungsindustrie im Deutschen Reich. Ab 1892 unterstütze der nun mehr unter Friedrich Krupp AG Grusonwerk firmierende Standort am eigenen Beispiel Essen, Margaretenhöhe, den Siedlungsbau für alle Beschäftigten.
Die Gartenstadt Hopfengarten, die Siedlung Reform und der Bauverein der Grusonwerk-Beamten, „Protzenheim“, wurden um die Jahrhundertwende gegründet. Im Hofengarten hatten die Gründer das Ziel, eine gemischte Mitgliedschaft aus allen Bevölkerungsschichten und Berufszweigen zu erreichen, um „… zur Milderung der Klassengegensätze zwischen Arbeitern, Beamten und Gewerbetreibenden“ beizutragen. Hier plante Heinrich Tessenow für den Kunsthistoriker Paul Ferdinand Schmidt ein Wohnhaus, Birkenstraße 7 Ecke Im Grünen, dass sich an Tessenows Bauten in Trier anlehnt.
An Tessenow orientiert sich wiederum Bruno Taut mit seinen Bauten für die Gartenstadt-Kolonie Arbeitersiedlung Reform, genannt „Rotenburg“. 1921 berief Hermann Beims Taut zum Stadtbaurat. Geld war keines da. Deshalb startete Taut eine Zeitungskampagne unter dem Titel „Aufruf zum farbigen Bauen“. Die Aktion mit Johannes Göderitz und Carl Krayl entwickelte sich zu einem erfolgreichen Werbefaktor für die Stadt, die ihr zeitweilig den Titel „Bunte Stadt Magdeburg“ und eine beachtliche Resonanz in der Tages- und Fachpresse einbrachten.
Auf Tauts Generalsiedlungsplans erfolgte 1924 bis 1932 der Bau der Beims-Siedlung im Auftrag des Vereins für Kleinwohnungswesen und der Magdeburger Gemeinnützigen Heimstätten A.G., einer Ikone der Moderne.
Die Stadt Magdeburg feiert 2027das Festival der Moderne als „Bunte Stadt der Moderne“ 1919-1933.
Dauer der kostenfreien Fachexkursion mit Fahrrad: 10 Stunden entsprechend 6 Unterrichtseinheiten á 45 min. §6 Abs 2 FortPrakV AK Bln. Für die Teilnahme gibt es für Mitglieder beim AIV-BB 6 Fortbildungs-punkte der AK, bei Nicht-Mitgliedern wird eine Bearbeitungspauschale von 25,- € erhoben.
Sollten Sie digitale Fotos machen, etwa eines der interessanten Bauwerke, Siedlungen oder Tragwerke mit der Erkundungsgruppe, machen Sie dem Architektenverein und mir eine zusätzliche Freude, wenn Sie die schönsten fünf an den AiV senden und mich in cc nehmen, Adam-Architekt@gmx.de.